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ENTZÜNDUNGSHEMMENDE SPORTERNÄHRUNG

Energiemangel im Sport: Wie chronische Unterversorgung stille Entzündungen begünstigt

Energieverfügbarkeit Sportler Entzündung — chronische Unterernährung ist einer der am häufigsten übersehenen Risikofaktoren für Sportverletzungen, auch ohne sichtbares Untergewicht.

Viele Sportler, die sich verletzt haben oder die häufig unter Überlastungsschäden leiden, suchen die Ursache in falscher Technik, zu viel Training oder mangelnder Regeneration. Seltener kommt die Frage auf, ob das Problem mit zu wenig Energie zu tun haben könnte. Dabei ist chronische Unterernährung, auch ohne sichtbares Untergewicht, einer der am häufigsten übersehenen Risikofaktoren für Sportverletzungen.

Was Energieverfügbarkeit bedeutet und warum sie zählt

Energieverfügbarkeit ist nicht dasselbe wie Kalorienaufnahme. Es ist die Energie, die nach Abzug des Trainingsverbrauchs noch für alle anderen Körperfunktionen übrig bleibt. Die Formel dahinter ist einfach: Energieaufnahme minus Trainingsenergieverbrauch, geteilt durch die fettfreie Körpermasse in Kilogramm.

Der kritische Schwellenwert liegt bei weniger als 30 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse täglich. Unterhalb dieser Grenze beginnt der Körper, Energie umzuverteilen und Funktionen zu drosseln, die er als nicht überlebenswichtig einstuft. Der Zielwert für optimale Gewebegesundheit und Heilungsprozesse liegt bei etwa 45 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse täglich.

Was ist Energieverfügbarkeit und warum ist sie für Sportler wichtiger als die Kalorienaufnahme?

Energieverfügbarkeit ist die Energie, die nach Abzug des Trainingsverbrauchs noch für alle anderen Körperfunktionen übrig bleibt. Die Formel: Kalorienaufnahme minus Trainingsenergieverbrauch, geteilt durch die fettfreie Körpermasse in Kilogramm. Der kritische Schwellenwert liegt bei weniger als 30 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse täglich. Darunter beginnt der Körper, Energie umzuverteilen und Funktionen zu drosseln, die er als nicht überlebenswichtig einstuft, darunter Geweberegeneration, Immunfunktion und Hormonproduktion. Der Zielwert für optimale Gewebegesundheit liegt bei etwa 45 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse täglich.

Das klingt abstrakt, hat aber eine konkrete Bedeutung: Ein Läufer mit 70 Kilogramm Körpergewicht und 60 Kilogramm fettfreier Masse, der täglich 600 kcal im Training verbrennt und 2.200 kcal isst, hat eine Energieverfügbarkeit von (2.200 minus 600) geteilt durch 60, also rund 27 kcal pro Kilogramm. Er liegt damit bereits unter dem kritischen Schwellenwert, ohne es zu spüren oder zu merken.

Das Problem ist weit verbreitet

Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse, die 59 Studien mit insgesamt 6.118 Athleten auswertete, zeigte eine Gesamtprävalenz von 44,7 Prozent mit unzureichender Energieverfügbarkeit, darunter 44,2 Prozent der weiblichen und 49,4 Prozent der männlichen Athleten. Dazu wurden 63 Prozent der untersuchten Athleten als gefährdet für das sogenannte REDs-Syndrom eingestuft, auf das weiter unten eingegangen wird.

Je nach Sportart schwankt die Prävalenz von Energiemangel zwischen 22 und 58 Prozent. Besonders betroffen sind Ausdauersportler, Sportler in Sportarten mit Gewichtsklassen oder ästhetischen Anforderungen, und Frauen, die biologisch anfälliger für die Folgen eines Energiemangels auf das Hormonsystem sind.

Diese Zahlen machen deutlich: Energiemangel im Sport ist kein Randphänomen und kein Problem, das nur Leistungssportler betrifft. Es ist ein Risikofaktor, der in breiten Teilen der aktiven Sportbevölkerung präsent ist.

Was chronischer Energiemangel im Körper auslöst

Wenn die Energieverfügbarkeit dauerhaft zu niedrig ist, leitet der Körper eine Kaskade hormoneller Anpassungen ein, die den Heilungs- und Aufbauprozessen direkt entgegenwirken.

Kortisol, das Stresshormon, steigt chronisch an. Es fördert den Abbau von Muskelprotein und hemmt anabole Erholungsprozesse. Gleichzeitig sinken Insulin und IGF-1, ein wichtiger Wachstumsfaktor, der für Knochen- und Muskelaufbau essenziell ist. Die Schilddrüsenachse wird gedrosselt, was den Grundumsatz senkt und die Proteinsynthese weiter einschränkt. Bei Frauen kommt es zu Menstruationsstörungen bis hin zum vollständigen Ausbleiben der Periode, bei Männern zu reduziertem Testosteron.

Das Immunsystem leidet ebenfalls. Unter chronischem Energiemangel ist die Immunzellfunktion nachweislich deprimiert. Sportler mit unzureichender Energieverfügbarkeit fehlen signifikant häufiger im Training aufgrund von Krankheiten und Infekten. Da Geweberegeneration nach einer Verletzung ein hochgradig immunabhängiger Prozess ist, verlängert Energiemangel die Rehabilitationszeit direkt.

Welche Auswirkungen hat chronischer Energiemangel auf die Regeneration nach einer Sportverletzung?

Chronischer Energiemangel löst eine Kaskade hormoneller Anpassungen aus, die Heilungs- und Aufbauprozessen direkt entgegenwirken. Kortisol steigt dauerhaft an und fördert den Muskelabbau. Wachstumsfaktor IGF-1 und Insulin sinken, was die Knochen- und Muskelregeneration einschränkt. Die Schilddrüsenachse wird gedrosselt, was die Proteinsynthese weiter reduziert. Gleichzeitig ist die Immunzellfunktion unter Energiemangel nachweislich deprimiert. Da Geweberegeneration ein hochgradig immunabhängiger Prozess ist, verlängert chronischer Energiemangel die Rehabilitationszeit direkt und messbar.

REDs: Wenn Energiemangel zum Syndrom wird

Das Internationale Olympische Komitee hat 2023 eine aktualisierte Konsenserklärung zum sogenannten REDs-Syndrom veröffentlicht, dem Relativen Energiedefizit im Sport. REDs beschreibt die Summe der physiologischen und psychologischen Beeinträchtigungen, die durch chronischen Energiemangel ausgelöst werden.

Das IOC unterscheidet dabei zwischen zwei Formen. Adaptable LEA bezeichnet kurzfristige, moderate Energiedefizite, zum Beispiel in intensiven Trainingsphasen oder bei kontrollierter Gewichtsreduktion, die der Körper ohne dauerhafte Schäden tolerieren kann. Problematic LEA bezeichnet länger anhaltende, schwere Defizite, die zu persistierenden Störungen verschiedener biologischer Systeme führen und bei denen Rückbildung nicht mehr automatisch erfolgt.

Die Grenze zwischen beiden ist individuell und hängt von Faktoren wie Dauer, Schwere des Defizits und individueller Empfindlichkeit ab. Was klar ist: Wer dauerhaft unter dem Schwellenwert von 30 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse operiert, bewegt sich in einem Bereich, in dem physiologische Schäden wahrscheinlicher werden.

Was ist das REDs-Syndrom und welche Sportler sind besonders gefährdet?

REDs steht für Relatives Energiedefizit im Sport, ein vom Internationalen Olympischen Komitee definiertes Syndrom, das die Summe der physiologischen und psychologischen Beeinträchtigungen durch chronischen Energiemangel beschreibt. Eine Metaanalyse mit 6.118 Athleten zeigte eine Gesamtprävalenz von 44,7 Prozent mit unzureichender Energieverfügbarkeit. Besonders betroffen sind Ausdauersportler, Sportler in Sportarten mit Gewichtsklassen sowie Frauen, die biologisch anfälliger für die hormonellen Folgen eines Energiemangels sind. REDs ist kein Leistungssportproblem, sondern in breiten Teilen der aktiven Sportbevölkerung verbreitet.

Was das für Knochen und Bindegewebe bedeutet

Die Auswirkungen auf den Bewegungsapparat sind gut dokumentiert. Ab einer Energieverfügbarkeit von weniger als 30 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse sinkt die Knochenneubildung messbar. Bei extremen Defiziten von rund 10 kcal pro Kilogramm steigt gleichzeitig die Knochenresorption, also der Knochenabbau, pathologisch an. Das Ergebnis ist eine doppelt negative Wirkung auf die Knochenstruktur.

Für das Stressfrakturrisiko hat das direkte Konsequenzen. Weibliche Athleten haben im Vergleich zu männlichen Athleten ein 3,1-fach höheres relatives Risiko für Stressfrakturen, was primär auf eine höhere Inzidenz von REDs und den damit verbundenen Östrogenmangel zurückgeführt wird, der den Knochenabbau beschleunigt.

Auch Sehnen und Bänder sind betroffen. Die Kollagensynthese, also der Aufbau der Hauptstrukturproteine in Sehnen und Bändern, ist ein energetisch aufwendiger Prozess. Unter chronischem Energiemangel wird er gedrosselt. Das Bindegewebe verliert an struktureller Integrität und wird anfälliger für Überlastungsschäden und akute Verletzungen.

Wer besonders betroffen ist

Ausdauersportler sind eine besonders gefährdete Gruppe. Durch hohe Trainingsvolumina und den damit verbundenen hohen Energieverbrauch ist es für Langstreckenläufer, Radfahrer und Triathleten oft schwierig, die verbrauchte Energie vollständig über die Nahrung zu ersetzen. Dazu kommt ein verbreitetes kulturelles Narrativ in diesen Sportarten, das einen schlanken Körperbau mit Leistungsfähigkeit gleichsetzt und chronische Unterversorgung begünstigt.

Sportler, die ihr Gewicht aktiv managen, sind ebenfalls gefährdet. Ein dauerhaftes Kaloriendefizit über das gesamte Jahr ist gesundheitlich problematisch. Eine Fallstudie an einer Elite-Ausdauerathletin über neun Jahre zeigte, dass das gesundeste Gewichtsmanagement darin besteht, den Großteil des Jahres leicht über dem Wettkampfgewicht bei ausreichender Energieverfügbarkeit zu trainieren und das Gewicht nur gezielt und zeitlich begrenzt für Wettkampfphasen zu reduzieren.

Wie du Energiemangel erkennst und gegensteuern kannst

Energiemangel macht sich oft nicht durch offensichtliche Symptome bemerkbar. Häufige Infekte, anhaltende Müdigkeit, Trainingsplateaus, Stimmungsschwankungen, verzögerte Erholung nach Belastungen und häufige kleine Verletzungen können Hinweise sein, ohne dass sich die Betroffenen bewusst schlecht ernähren.

Der wichtigste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme der Energiebilanz, idealerweise über mehrere repräsentative Trainingstage. Wenn die Energieverfügbarkeit unter 30 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse liegt, ist Handlungsbedarf gegeben. Das Ziel von rund 45 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse ist der Bereich, in dem Gewebegesundheit, Immunfunktion und Heilungsprozesse optimal unterstützt werden.

Woran erkenne ich, ob ich als Sportler unter chronischem Energiemangel leide?

Chronischer Energiemangel macht sich oft nicht durch offensichtliche Symptome bemerkbar. Häufige Infekte, anhaltende Müdigkeit, Trainingsplateaus, verzögerte Erholung nach Belastungen, Stimmungsschwankungen und häufige kleine Verletzungen können Hinweise sein, ohne dass sich die Betroffenen bewusst schlecht ernähren. Der wichtigste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme der Energiebilanz über mehrere repräsentative Trainingstage. Liegt die Energieverfügbarkeit unter 30 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse, ist Handlungsbedarf gegeben.

Praktisch bedeutet das: Mahlzeiten zeitlich nah an Trainingseinheiten platzieren, Phasen langer Nüchternheit vor und nach dem Training vermeiden, und die Gesamtkalorienzufuhr an das tatsächliche Trainingsvolumen anpassen, nicht an ein pauschales Kalorienbudget.

Mehr zur Frage, wie Ernährung und Energieverfügbarkeit systemische Entzündungsprozesse beeinflussen, findest du in der Übersicht entzündungshemmende Ernährung.

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